Geschichte der Stadt Zehdenick

 

Stadtansicht vor der Zerstörung 1631 (Stich von Merian)
 

Stadt und Kloster Zehdenick liegen im südwestlichsten Teil der Uckermark (heute Oberhavelkreis), zwischen Ruppiner Land und Schorfheide, an einem vormals wichtigen Übergang der Havel.
Dieser Ort zeichnete sich sowohl durch seine strategische Lage, wie die Errichtung einer Burg belegt, als auch durch seine günstige Anknüpfung an bestehende Handelsrouten aus.

In vorgeschichtlicher Zeit wurde das Havelufer bei Zehdenick von Menschen der jüngeren Steinzeit und der Bronzezeit besiedelt. Später ließen sich slawische Völker hier nieder. Von ihnen stammt wahrscheinlich auch der Ortsname Zehdenick. Das Wort Zehdenick (dessen mittelalterliche Schreibweise stark variiert) hatte wahrscheinlich die Bedeutung "Blumental".

Zehdenick wurde am 28.12.1216 erstmals urkundlich erwähnt, als Stadt 1281.
In der Folgezeit wurde Zehdenick von verschiedenen Herrschern gekauft, verkauft, beherrscht und besetzt, beispielsweise vorübergehend von den Schweden 1636 während des Dreißigjährigen Krieges und nochmals 1675. Anfang des 18. Jahrhunderts besetzten französische Truppen die Stadt.

Das Nonnenkloster der Zisterzienser wurde 1250 gestiftet, kurz nach dem Auftreten des „sagenhaften „ Wunderblutes 1249. 1638 wurde es zerstört und bis heute noch als Klosterruine zu besichtigen. In der zum Kloster gehörenden Scheune ist heute die Klostergalerie untergebracht.

Um 1800 war Zehdenick auch Garnisonsstadt und beherbergte das Kürassier-Regiment von Malschitz.

In seiner Geschichte wurde Zehdenick mehrmals fast völlig niedergebrannt, zuletzt vernichtete ein Feuer am 25.Mai 1801 fast die gesamte Stadt, wodurch 3123 Einwohner obdachlos wurden. 792 Gebäude wurden zerstört, 7 Menschen kamen ums Leben Das mittelalterliche Stadtbild war bereits bei vorangegangenen Bränden verlorengegangen. Das heutige Zehdenick ist weitgehend vom darauffolgenden Wiederaufbau geprägt.

"Dies traurige Schicksal traf diese sonst blühende Stadt. – In noch nicht vollen 10 Stunden war sie gänzlich vernichtet, und nur traurige Überbleibsel ehemaliger Wohnungen, ragen anjetzt über Schutthaufen, zur schaudervollen Rückerinnerung hervor." (Stadtarchiv Zehdenick, Archivnummer 474, Bl. 1ff.)

In der Dissertation von Christof Baier: Bürgerhäuser in Templin und Zehdenick. Die Theorie vom bürgerlichen Wohnhaus und die Praxis des provinzialstädtischen Bürgerhausbaus in Brandenburg-Preußen im 18. Jahrhundert, finden Sie interessante Deteils zum Stadtbrand von 1801 und zum Wiederaufbau der Stadt.

Der Bericht zeigt, dass auch damals schon sowohl der Staat Hilfe leistete, als auch eine Welle der Hilfsbereitschaft und Spenden den Einwohnern halfen. Sehr amüsant zu lesen, wie schwer es der Widerspruchs- und Kampfgeist, ja von Renitenz ist die Rede, der Zehdenicker es den Stadtplanern machte. Es gab sogar verbotene(!) öffentliche Demonstrationen und eine Eingabe an den König, was damals ein ganz ungeheuerlicher Vorgang war. Eine Neuanlage des Straßennetzes, wie in Neuruppin scheiterte letztlich am Widderstand der Bürger, die sich sogar direkt an den König wandten.


Am 1. August 1877 richtete ein Jahrhundertsturm, möglicherweise ein Tornado, in Zehdenick und umliegenden Ortschaften schwere Zerstörungen an. Das Ausmaß war so erschütternd, dass, trotzdem die Fotografie noch in den Kinderschuhen steckte, mehrere Fotos die Schäden dokumentieren. Das Ereignis forderte sogar 6 Todesopfer und löste eine Spendenwelle in ganz Deutschland aus. Dokumentiert einschließlich vorhandener Fotos wird das Ereignis auf der Webseite
>> www.skywarn.de

Wirtschaftlich war Zehdenick seit jeher interessant und nicht ohne Bedeutung. So fand man eine Papiermühle im 17. Jahrhundert, eine Eisenschmelze (Schmelzstraße), später sogar ein Hochofen. Dieses Eisenhüttenwerk wird im Siebenjährigen Krieg 1758 von den Schweden zerstört. Bis das Werk 1817 aufgegeben wurde, stellte man 1785 Gussteile für die erste in Deutschland produzierte Dampfmaschine her.

Aufgrund von Tonfunden in der Umgebung der Stadt entstand Ende des 19. Jahrhunderts eine der bedeutendsten Ziegelindustrien Europas. Unzählige Lastkähne brachten Zehdenicker Ziegelsteine über die Havel zum Verkauf. Bis zur Wende 1989 war die Ziegelindustrie neben dem Isolierwerk Zehdenick der bedeutendste Arbeitgeber der Region..

Einen Teil des Geländes bewirtschaftete nach der Wende für einige Jahre die FirmaHEBEL.

Der zweite große Arbeitgeber hat seine Wurzeln im Jahr 1921, als eine Fabrik für Isolierstoffe der Elektroindustrie entsteht, während der DDR-Zeit im Kombinat „Microelektronic" Frankfurt/O.

Am 1. April 1900 wurden die Vororte Dammhast, Camp und Amtsfreiheit eingemeindet. In den Folgejahren entstehen viele noch heute sehenswerte Bauten und Anlage, wie z.B. 1906 der Stadtpark, 1911 das Gerichtsgebäude und 1907-1909 die neue Schleuse.

Nach dem 2. Weltkrieg wurden die zerstörten Brücken der Stadt wieder aufgebaut. 1946 die Zugbrücke und ein Jahr später die Kampbrücke, die Schleusenbrücke wurde 1958 erneuert..

(Quelle: Festschrift 750 Jahre Zehdenick 1967)

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